„Das macht doch jetzt die KI.“ Diesen Satz hört man inzwischen überall, meistens freundlich gemeint, manchmal mit einem Grinsen dazu. Und ehrlich: Vor zwei Jahren hätte ich ihn selbst unangenehm gefunden.
Heute nicht mehr. Nicht weil sich der Satz erledigt hätte, sondern weil man inzwischen sehen kann, was tatsächlich passiert, wenn jemand ihn ernst nimmt. Dieser Beitrag erzählt, was sich in meinem Arbeitsalltag geändert hat, warum Kunden trotzdem anrufen, und warum ich nach drei Jahren mit diesen Werkzeugen optimistischer bin als vorher.
Erstens: Es ist wirklich viel passiert
Fangen wir bei den Tatsachen an, nicht bei der Meinung.
Der Bitkom hat im September 2026 gemeldet, dass erstmals die Mehrheit der Unternehmen in Deutschland KI einsetzt: 57 Prozent. Vor einem Jahr waren es 36, vor zwei Jahren 20. Zur Einordnung gehört dazu, dass für diese Zahl Unternehmen ab zwanzig Beschäftigten befragt wurden. Der Malerbetrieb mit vier Leuten taucht dort gar nicht auf, und bei ihm sieht die Lage oft anders aus.
Ein zweiter Marker: Das Collins Dictionary hat „vibe coding“ zum Wort des Jahres 2025 gekürt. Der Begriff stammt von Andrej Karpathy, der ihn im Februar 2025 geprägt hat, und beschreibt das Programmieren durch Beschreiben. Man sagt einem Modell, was man will, und nimmt entgegen, was dabei herauskommt, ohne den Code selbst noch zu lesen.
Beides zusammen beschreibt den Stand ganz gut. Die Werkzeuge sind da, sie sind gut genug für eine beeindruckende Vorführung, und sie sind in der Breite angekommen. Wer heute behauptet, das sei alles nur Hype, hat entweder nichts ausprobiert oder etwas Falsches ausprobiert.

Zweitens: Die Vorführung ist nicht das Produkt
Jeder kennt inzwischen das Video: Jemand tippt zwei Sätze, dreißig Sekunden später steht eine Website. Sieht gut aus. Funktioniert sogar.
Die Frage ist nur, was man da eigentlich gesehen hat. Man hat eine Startseite gesehen. Keine Rechtstexte, kein Formular, das ankommt, keine Verknüpfung mit einem Mailpostfach, keine Bilder mit Alternativtexten, keine Einwilligungsverwaltung, keine Sicherung, kein Impressum, das zur tatsächlichen Rechtsform passt. Nichts davon ist spektakulär. Alles davon entscheidet darüber, ob eine Seite betrieben werden kann oder nur existiert.
Dazu kommt ein Punkt, den man dem Ergebnis nicht ansieht. Veracode hat 2025 achtzig Programmieraufgaben durch über hundert Sprachmodelle laufen lassen und geprüft, was dabei herauskommt. In 45 Prozent der Fälle brachte der erzeugte Code eine Schwachstelle aus den OWASP Top 10 mit. Bei Cross-Site-Scripting, also dem Einschleusen fremden Codes über Eingabefelder, versagten die Modelle in 86 Prozent der einschlägigen Aufgaben. Und, das ist der unangenehme Teil: Neuere und größere Modelle schnitten nicht besser ab. Das Problem wächst sich also nicht mit der nächsten Version aus.
Passend dazu die Frage, die sich Entwickler selbst stellen. In der Stack-Overflow-Umfrage 2025 gaben 84 Prozent an, KI-Werkzeuge zu nutzen oder es zu planen. Gleichzeitig misstrauen 46 Prozent der Genauigkeit, nur 33 Prozent vertrauen ihr. Die häufigste Nennung bei den Ärgernissen: Lösungen, die „fast richtig, aber nicht ganz“ sind. Zwei Drittel der Befragten kreuzten das an.
„Fast richtig“ ist in einer Vorführung unsichtbar und im Betrieb teuer.
Drittens: Was der Kunde eigentlich kauft
Wenn jemand bei uns anruft, hat er selten das Problem, dass er keine Seite bauen könnte. Er hat das Problem, dass er nicht entscheiden will, welche er braucht, und dass er nicht haften will für das, was dabei herauskommt.
Das klingt unsexy, ist aber der Kern. Eine Website ist kein Bild, sie ist ein Betrieb. An ihr hängen:
- Verantwortung. Für das Impressum, für die Datenschutzerklärung, für jedes eingebundene fremde Skript, für die Frage, ob ein Kontaktformular datensparsam ist. Ein Sprachmodell unterschreibt nichts.
- Entscheidungen. Welche Leistungen gehören auf eine Seite, welche auf drei? Was kommt zuerst? Welche Suchanfragen bringen Aufträge, welche nur Klicks? Diese Fragen beantwortet niemand, der die Branche und den Betrieb nicht kennt. Und der Betrieb selbst kann sie oft auch nicht beantworten, sonst hätte er ja schon.
- Fortbestand. Eine Seite lebt fünf bis zehn Jahre. In dieser Zeit ändern sich Gesetze, PHP-Versionen, Plugins, Telefonnummern und Ansprechpartner. Wer macht das dann?
- Erreichbarkeit. Wenn am Freitagnachmittag das Formular nicht mehr ankommt, ruft niemand bei einem Modell an.
Wir haben in den letzten Jahren mehrere Gesetzesänderungen durch die Kundenprojekte geschoben, vom Barrierefreiheitsstärkungsgesetz über die Kennzeichnungspflicht für KI-Inhalte bis zu den Einwilligungssignalen für Google. Kein einziges Mal kam der Hinweis darauf von einem Werkzeug. Er kam immer daher, dass jemand die Veränderung mitbekommen und auf den Bestand angewendet hat.
Genau das ist der Auftrag. Nicht „eine Seite bauen“, sondern „dafür sorgen, dass diese Seite in drei Jahren noch stimmt“.

Viertens: Warum die neuen Anbieter nicht durchkommen
Seit die Werkzeuge gut geworden sind, erklären sich auffällig viele Leute zum Webdesigner. Das ist nichts Neues, das gab es beim Homepage-Baukasten auch schon. Neu ist, dass die Ergebnisse auf den ersten Blick besser aussehen als damals.
Trotzdem setzt sich diese Welle nicht durch, und zwar aus einem strukturellen Grund: Die Schwelle hat sich vom Herstellen zum Beurteilen verschoben.
Früher war die Hürde, etwas zustande zu bringen. Wer eine Seite bauen konnte, hatte damit schon bewiesen, dass er etwas kann. Heute bringt jeder etwas zustande. Die Frage ist nur noch, ob er erkennt, was daran nicht stimmt. Und das erkennt man nicht, indem man eine Ausgabe anschaut, sondern indem man weiß, wonach man sucht.
Ein paar Beispiele aus dem Alltag, alle unsichtbar für jemanden ohne Handwerk:
- Das Kontaktformular sendet, aber landet im Spam, weil der Absender nicht zur Domain passt.
- Die Seite sieht auf dem eigenen Bildschirm gut aus und bricht bei 320 Pixeln Breite seitlich aus.
- Die hübsche graue Beschriftung hat einen Kontrast von 3,1 zu 1 und fällt damit durch.
- Der Slider auf der Startseite lädt vierzig Dateien nach und kostet eine Sekunde Reaktionszeit.
- Die Adresse der alten Unterseite ist nicht weitergeleitet, und die Suchmaschine liefert seit dem Umzug einen Fehler aus.
- Das Bild ist 4.000 Pixel breit und wird auf 600 dargestellt.
Jeder einzelne Punkt ist mit Werkzeug in Minuten behoben. Aber nur, wenn jemand ihn bemerkt. Wer nie gelernt hat, dass es diese Punkte gibt, wird von keinem Assistenten darauf gestoßen, denn der antwortet auf Fragen und nicht auf Ahnungslosigkeit.
Dazu kommt das, was man auch mit dem besten Werkzeug nicht abkürzen kann: Referenzen, ein Gewerbe, eine Haftpflicht, jemanden, der in derselben Stadt sitzt und den man auch mal treffen kann. Die meisten unserer Kunden haben ihre Entscheidung nicht nach einem Portfolio getroffen, sondern nach einem Telefonat.
Fünftens: Im Wort Webdesign steckt Design
Der Teil, der in der ganzen Debatte am kürzesten kommt, steht schon in der Berufsbezeichnung. Webdesign ist nicht Webbau. Es ist gestalterische Arbeit, und die verbindet den Sinn für schöne Dinge mit Funktion und Technik. Alle drei zusammen, nicht zwei davon.
Ein Vergleich, der das schneller erklärt als jede Definition. Nur weil jemand einen Onlineshop bedienen kann und sich ein neues Outfit bestellt hat, ist das Ergebnis noch lange nicht elegant. Sandalen mit weißen Tennissocken, dazu Bermudashorts, ein gestreiftes Sakko und eine Wollmütze: Jedes Teil für sich ist ein völlig brauchbares Kleidungsstück, jedes wurde erfolgreich bestellt, und trotzdem stimmt nichts daran. Die Bedienung des Werkzeugs war nie das Problem. Die Auswahl war es.

Mit einer Website ist es genau so. Ein Modell liefert eine Schriftart, eine Farbe, einen Abstand, ein Bild. Alles für sich vertretbar. Ob die Schrift zur Branche passt, ob die zweite Schrift zur ersten passt, ob dieser Grünton auf dem Prospekt genauso aussieht wie auf dem Bildschirm, ob das Foto zum Betrieb gehört oder nach Katalog aussieht: Das sind Entscheidungen, die jemand treffen muss, der Geschmack hat und begründen kann, warum.
Und Geschmack ist nichts Mystisches. Er ist trainiert. Er kommt daher, dass man ein paar tausend gute und schlechte Beispiele gesehen und irgendwann verstanden hat, warum die einen funktionieren. Ein Modell hat noch mehr Beispiele gesehen als jeder Mensch und leitet daraus zuverlässig den Durchschnitt ab. Der Durchschnitt ist nie falsch. Er ist nur nie jemandes Marke.
Dazu kommt der Teil der Gestaltung, den man am Ergebnis gar nicht sieht: das Weglassen. Die meisten Entwürfe werden nicht besser, weil noch etwas dazukommt, sondern weil drei Dinge verschwinden. Ein Werkzeug schlägt nie vor, etwas wegzulassen. Es liefert, was man verlangt, und wer unsicher ist, verlangt mehr.
Und am Ende muss das Schöne auch noch funktionieren. Der Kontrast muss stimmen, die Fläche muss sich mit dem Daumen treffen lassen, die Überschrift darf auf einem schmalen Bildschirm nicht auf vier Zeilen auseinanderfallen. Genau an dieser Nahtstelle sitzt der Beruf: Gestaltung, die eine Messung besteht, und Technik, die man ansehen mag.
Sechstens: Was sich an meinem Arbeitstag wirklich geändert hat
Jetzt der Teil, den ich vor drei Jahren nicht geglaubt hätte. Der Ablauf hat sich mehr verändert als das Ergebnis.
Recherche ist keine Ausrede mehr. Früher hat man bei einem Thema, das man nicht täglich macht, aus dem Bauch entschieden, weil die gründliche Variante einen halben Tag gekostet hätte. Heute lese ich in einer Viertelstunde den Gesetzestext, drei Erhebungen und die Herstellerdokumentation und schreibe erst danach. Das ist der größte Gewinn, und er ist der unsichtbarste.
Der erste Entwurf kostet nichts mehr. Dadurch verwerfe ich mehr. Früher war die erste Fassung schon so teuer, dass man sie verteidigt hat. Heute stehen zwei Varianten nebeneinander und man sieht am Ergebnis, welche besser ist.
Wiederholte Arbeit wird zum Skript. Achtzig Bilder umbenennen, dreißig Seiten auf einen falsch gesetzten Wert prüfen, alle internen Links einer Domain einsammeln: Das sind heute Minuten statt Tage. Und es ist zuverlässiger, weil ein Skript nicht bei Seite 27 unkonzentriert wird.
Geprüft wird jetzt wirklich. Kontraste, Reflow bei schmaler Breite, Überschriftenstruktur, Alternativtexte, Ladezeitwerte: Das waren früher Punkte, die man „eigentlich“ macht. Heute laufen sie messbar über die ganze Seite, nicht als Stichprobe.
Und jetzt die andere Hälfte, die in den Hochglanzvorträgen fehlt.
METR hat im Juli 2025 etwas gemessen, das niemand erwartet hatte. Sechzehn erfahrene Entwickler bearbeiteten 246 echte Aufgaben in Projekten, an denen sie im Schnitt fünf Jahre gearbeitet hatten, zufällig aufgeteilt in „mit KI“ und „ohne KI“. Vorher schätzten sie, mit KI 24 Prozent schneller zu sein. Tatsächlich waren sie 19 Prozent langsamer. Und hinterher, nachdem sie es selbst erlebt hatten, glaubten sie immer noch, schneller gewesen zu sein.
Der Ehrlichkeit halber gehört dazu: METR schreibt im Februar 2026 selbst, dass sich das inzwischen gebessert haben dürfte, kann es aber mit den neueren Daten nicht sauber zeigen, weil sich Teilnehmer der Aufgabe ohne KI verweigert haben. Die Studie von 2025 bleibt trotzdem das beste vorhandene Ergebnis, und ihre eigentliche Lehre ist nicht die Prozentzahl, sondern die Lücke dazwischen: Das Gefühl, schneller zu sein, ist kein Messwert.
Genau deshalb gehört zu jedem Einsatz die Frage, ob er sich gelohnt hat. Bei uns hat sich herauskristallisiert, wo die Antwort meistens ja lautet und wo nein. Ja bei Recherche, Textentwürfen, Massenänderungen, Prüfroutinen, Bildern und dem Verstehen fremden Codes. Nein bei allem, wo das Problem nicht klar beschrieben ist. Wer nicht sagen kann, was er will, bekommt von einem Modell zuverlässig etwas Fertiges, das nicht passt, und merkt es erst spät.

Siebtens: Was ein Webdesigner heute zusätzlich können muss
Der Beruf ist nicht kleiner geworden, er hat Anbauten bekommen. Was in den letzten drei Jahren dazugekommen ist:
- Präzise beschreiben. Ein Auftrag an ein Modell ist so gut wie das Briefing. Wer „mach das schöner“ sagt, bekommt Zufall. Diese Fähigkeit ist dieselbe, die man im Kundengespräch braucht, und sie ist plötzlich täglich im Einsatz.
- Maschinelle Ausgaben prüfen. Das ist die wichtigste neue Kompetenz überhaupt. Eine Antwort, die souverän klingt, ist damit nicht richtig. Bei jeder Jahreszahl, jedem Paragrafen, jeder Prozentangabe ist die Frage: Wo steht das im Original?
- Wissen, wo Prüfen Pflicht ist. Nicht alles muss doppelt kontrolliert werden. Ein Farbvorschlag nicht. Eine Frist, ein Rechtsverweis, eine Konfiguration, die live geht: immer.
- Datenschutz beim eigenen Werkzeug. Was darf in ein Modell hinein, was nicht? Kundendaten, Bewerbungsunterlagen, Preislisten: Dafür braucht es eine Regel im eigenen Betrieb, bevor der erste Mitarbeiter sich selbst etwas einrichtet.
- Kennzeichnen. Seit August 2026 gilt Artikel 50 der KI-Verordnung. Wer generierte Bilder einsetzt, muss wissen, wann eine Kennzeichnung Pflicht ist und wie sie aussieht. Wir kennzeichnen sie grundsätzlich, auch wo keine Pflicht besteht.
- Werkzeuge zusammenschalten. Ein Modell für Text, eines für Bilder, ein Skript für die Massenänderung, eine Schnittstelle zum Redaktionssystem. Der Nutzen entsteht in der Kette, nicht im einzelnen Chatfenster.
- Abbrechen können. Wenn eine Sache nach dem dritten Anlauf nicht sitzt, ist sie von Hand schneller. Das rechtzeitig zu merken, spart mehr Zeit als jedes Werkzeug.

Achtens: Was der Kunde davon hat
Das ist die Frage, die am Ende zählt, und sie hat vier konkrete Antworten.
Mehr Inhalt für dasselbe Geld. Wenn der Entwurf schneller steht, bleibt mehr Zeit für das, was wirklich unterscheidet: Texte, die zum Betrieb passen, statt Platzhalter, die nach Branche klingen.
Recherche statt Behauptung. Wenn in einem Text steht, dass eine Frist am 28. Juni gilt, dann steht daneben, woher das kommt. Das war früher Aufwand, den sich eine Firmenseite selten geleistet hat.
Gründlichere Abnahme. Messungen über alle Seiten statt über drei. Das findet Dinge, die man sonst erst gemeldet bekommt, wenn sich jemand beschwert.
Nachvollziehbarkeit. Zu jedem Projekt liegen die Entscheidungen schriftlich vor, nicht nur im Kopf des Bearbeiters. Wenn in zwei Jahren jemand fragt, warum etwas so gebaut ist, gibt es eine Antwort.
Was der Kunde dagegen nicht bekommt, und auch nicht bekommen soll: eine Seite, die zu einem Drittel des Preises in einem Viertel der Zeit entsteht und bei der niemand mehr hinsieht. Genau davor warnt übrigens auch Google. In den Spam-Richtlinien geht es ausdrücklich nicht um die Frage, wie ein Inhalt entstanden ist, sondern darum, ob Seiten „in erster Linie erstellt [werden], um das Suchranking zu manipulieren“. Maschinell erzeugter Text ist erlaubt. Maschinell erzeugter Text ohne Nutzen ist es nicht. Dass viele Ratgeberseiten seit der Einführung der KI-Zusammenfassungen in der Suche Klicks verlieren, verschärft das noch: Masse trägt nicht mehr, Substanz schon.
Was das für deine eigene Website bedeutet
Bis hierher ging es um den Beruf. Der praktisch wichtigere Teil ist, was sich für den Betrieb einer ganz normalen Firmenseite ändert. Fünf Punkte, die im letzten Jahr in fast jedem Gespräch vorkamen.
Inhalte werden weniger wert, Substanz wird mehr wert. Solange Text teuer war, hat Menge funktioniert. Jetzt kostet Menge nichts mehr, und entsprechend viel davon gibt es. Was übrig bleibt, ist das, was ein Modell nicht zusammenfassen kann: eigene Preise, eigene Messwerte, Fotos echter Projekte, der Fall vom letzten Monat. Wenn du dich fragst, worin du Zeit stecken sollst, dann dort.
Ein Teil der Besucher kommt gar nicht mehr. Wer eine Frage hat, bekommt sie in der Suche oft direkt beantwortet. Das trifft vor allem Ratgeberinhalte und kaum lokale oder kaufnahe Suchanfragen. Für einen regionalen Betrieb ist das eine deutlich bessere Nachricht als für ein Portal, und es verschiebt die Erfolgsmessung: nicht Besucherzahl, sondern Anfragen.
Kennzeichnung ist keine Kür mehr. Wenn du KI-Bilder oder KI-Texte einsetzt, gehört ein Hinweis dorthin, wo der Inhalt steht. Was genau Pflicht ist und was nicht, steht in unserem Beitrag zur KI-Kennzeichnungspflicht. Der einfachere Weg ist, die Entscheidung gar nicht erst jedes Mal zu treffen, sondern grundsätzlich zu kennzeichnen.
Eine interne Regel spart später Ärger. Eine Seite reicht: Welche Werkzeuge sind erlaubt, welche Daten dürfen nicht hinein, wer liest gegen, bevor etwas veröffentlicht wird. Das ist zugleich die Maßnahme, mit der ein kleiner Betrieb die Anforderung an KI-Kompetenz aus der KI-Verordnung in der Regel erfüllt.
Technisch ändert sich weniger, als man denkt. Die Gründe, aus denen Seiten kaputtgehen, sind dieselben geblieben: veraltete Erweiterungen, fehlende Sicherungen, niemand zuständig. Dass die Angreifer inzwischen ebenfalls automatisiert arbeiten, macht die Zeitfenster nur kürzer. Was dagegen hilft, steht unverändert in unserem Beitrag zur WordPress-Sicherheit, und es ist unspektakulär: aufräumen, aktualisieren, sichern.
Was die KI nicht übernimmt
Kurz und ohne Umschweife:
- Den Anruf, wenn etwas kaputt ist.
- Die Entscheidung, welche der drei möglichen Lösungen zu diesem Betrieb passt.
- Die Verantwortung für das, was veröffentlicht wird.
- Den Blick auf das, was der Kunde nicht gesagt hat, weil er nicht wusste, dass es wichtig ist.
- Die Erfahrung, dass genau diese Konstruktion vor zwei Jahren schon einmal Ärger gemacht hat.
- Den Geschmack, der aus zwanzig vertretbaren Varianten die eine auswählt, die zu diesem Betrieb gehört.
Warum ich optimistisch bin
Ich arbeite seit über drei Jahren mit diesen Werkzeugen, inzwischen täglich, hauptsächlich mit Claude und daneben mit spezialisierten Modellen für Bilder und Video. Und der Eindruck ist ein anderer, als die Debatte vermuten lässt.
Es fühlt sich nicht an, als würde etwas ersetzt. Es fühlt sich an, als wäre ein sehr belesener, sehr schneller, gelegentlich übermütiger Kollege dazugekommen, der nie müde wird, jede Aufgabe sofort anfängt und dem man genau auf die Finger schauen muss. Was er beiträgt, ist enorm. Was er nicht beiträgt, ist Urteilsvermögen, und genau das ist der Teil, für den Kunden bezahlen.
Der Beruf verschiebt sich dadurch, und zwar in eine Richtung, die mir gefällt. Weniger Zeit für das Abarbeiten, mehr Zeit für das Nachdenken. Weniger „das haben wir immer so gemacht“, mehr „lass uns das einmal messen“. Weniger Behauptungen im Text, mehr Belege.
Angst wäre die falsche Reaktion. Nicht, weil nichts passiert, sondern weil das, was passiert, genau die Seite des Berufs stärkt, die ihn interessant macht. Wer sein Handwerk kann und die neuen Werkzeuge dazu nimmt, liefert bessere Arbeit als je zuvor. Wer nur die Werkzeuge hat, liefert etwas, das aussieht wie Arbeit.
Der Unterschied fällt spätestens im zweiten Jahr auf. Und dann klingelt wieder das Telefon.
Zum Weiterlesen
Die Zahlen in diesem Beitrag stammen aus folgenden Quellen, jeweils im Original nachlesbar:
- Bitkom, 14.09.2026: Erstmals nutzt die Mehrheit der Unternehmen KI, 603 befragte Unternehmen ab 20 Beschäftigten
- Veracode: 2025 GenAI Code Security Report, 80 Aufgaben über mehr als 100 Modelle
- Stack Overflow Developer Survey 2025, Kapitel KI
- METR, Juli 2025: Entwicklerproduktivität mit und ohne KI sowie die Einordnung von METR aus dem Februar 2026
- Collins Dictionary: Wort des Jahres 2025
- Google Search Central: Spam-Richtlinien, Abschnitt zu massenhaft generierten Inhalten