Suchergebnisseite auf einem Bildschirm, bei der ein großer Antwortblock oben steht und die Liste der Ergebnisse nach unten gedrängt wird

Bild wurde mit KI generiert

AI Overviews: Wie viel Traffic wirklich fehlt und was dagegen hilft

Die Klickzahlen sinken, die Rankings stehen. Das ist der Satz, den wir seit über einem Jahr am häufigsten von Kunden hören, und er beschreibt die Lage ziemlich genau. Google beantwortet einen wachsenden Teil der Suchanfragen direkt in den Ergebnissen, und die Zahlen dazu sind inzwischen belastbar.

Dieser Beitrag ordnet die wichtigsten Erhebungen ein, trennt die Fälle, in denen es wirklich weh tut, von denen, in denen es kaum auffällt, und nennt die Maßnahmen, die für einen regionalen Betrieb tatsächlich etwas bringen.

Die Kurzfassung

Wenn über einem Suchergebnis eine KI-Zusammenfassung steht, verliert das erste organische Ergebnis nach übereinstimmenden Messungen mehr als die Hälfte seiner Klicks. Betroffen sind vor allem Suchanfragen, bei denen jemand etwas wissen will. Suchanfragen, bei denen jemand etwas kaufen, buchen oder in der Nähe finden will, sind deutlich stabiler. Für einen Handwerks- oder Dienstleistungsbetrieb aus der Region ist das die entscheidende Unterscheidung.

Was die Zahlen sagen

Sistrix, Deutschland, über 100 Millionen Keywords

Sistrix hat im Februar 2026 eine Auswertung für den deutschen Markt vorgelegt. Kernbefund: Die Klickrate auf Position 1 fällt von 27 auf 11 Prozent, sobald eine KI-Zusammenfassung erscheint. Ein durchschnittliches Suchergebnis führt in 57 Prozent der Fälle zu einem organischen Klick, mit Zusammenfassung nur noch in 33 Prozent. Über alle untersuchten Keywords hinweg liegt der Verlust bei 6,6 Prozent, hochgerechnet rund 265 Millionen Klicks weniger pro Monat in Deutschland.

Interessanter als der Durchschnitt ist die Spannweite. Rezeptseiten verlieren gut ein Prozent. Eltern- und Babyportale über 24 Prozent. Spezialisierte Gesundheitsportale teilweise über 30 Prozent.

Ahrefs, 300.000 Keywords

Ahrefs hat für Dezember 2025 gemessen und kommt auf 58 Prozent weniger Klicks für die Position 1 bei vorhandener Zusammenfassung. Position 2 verliert etwa die Hälfte, selbst Position 10 noch knapp 20 Prozent. Zum Vergleich: Eine Vorgängerauswertung vom April 2025 lag bei 34,5 Prozent. Die beiden Zahlen widersprechen sich nicht, sie zeigen eine Entwicklung.

Pew Research, echtes Nutzerverhalten

Das Pew Research Center ist anders vorgegangen und hat nicht Keywords ausgewertet, sondern das tatsächliche Verhalten von 900 Erwachsenen in den USA bei 68.879 Suchanfragen. Ergebnis: Mit KI-Zusammenfassung klickten Nutzer in 8 Prozent der Besuche auf ein klassisches Suchergebnis, ohne Zusammenfassung in 15 Prozent. Auf die in der Zusammenfassung genannten Quellen klickte man in 1 Prozent der Fälle.

Diese letzte Zahl ist die ernüchterndste. Als Quelle genannt zu werden ist schön, bringt aber kaum Besucher. Wer auf Sichtbarkeit in KI-Antworten setzt, sollte das als Markenwirkung verbuchen und nicht als Besucherquelle.

Warum du diese Zahlen nicht addieren darfst

Drei Erhebungen, drei Methoden. Sistrix und Ahrefs messen Klickraten je Position aus Keyword-Datenbanken, Pew misst Menschen. Die Werte sind deshalb nicht miteinander verrechenbar, und wer aus ihnen eine einzige Prozentzahl bastelt, erfindet etwas. Aussagekräftig ist, dass sie unabhängig voneinander in dieselbe Richtung zeigen und in derselben Größenordnung liegen.

Welche Suchanfragen betroffen sind, und welche nicht

Eine KI-Zusammenfassung erscheint dort, wo sich eine Frage kurz beantworten lässt. Das trifft vor allem Suchanfragen mit einem Wissensinteresse: „Wie oft muss eine Heizung gewartet werden“, „Was kostet ein Grundbucheintrag“, „Warum brummt ein Transformator“.

Deutlich stabiler sind:

  • Lokale Suchanfragen. „Sanitär Stuttgart Ost“, „Steuerberater in der Nähe“. Hier gewinnt der Kartenbereich, nicht die Zusammenfassung.
  • Transaktionale Suchanfragen. Wer kaufen oder buchen will, braucht eine Seite und keinen Absatz Text.
  • Markensuchen. Wer deinen Firmennamen eingibt, will zu dir.
  • Sehr spezielle Fachanfragen. Wo es keine eindeutige, kurze Antwort gibt, bleibt die Liste.

Für die meisten unserer Kunden bedeutet das: Der Teil ihres Verkehrs, der Aufträge bringt, ist weniger betroffen als der Teil, der Reichweite bringt. Das ist unangenehm für die Statistik und weniger schlimm für das Geschäft. Genau diese Unterscheidung sollte man treffen, bevor man in Aktionismus verfällt.

So findest du deine eigenen Zahlen

Fremde Studien beschreiben den Markt, nicht deine Seite. Der eigene Befund steht in der Google Search Console und ist in einer Viertelstunde zu haben.

  1. Öffne den Leistungsbericht und stelle den Zeitraum auf die letzten 16 Monate.
  2. Wechsle in die Ansicht der Suchanfragen und blende alle vier Kennzahlen ein: Klicks, Impressionen, Klickrate, Position.
  3. Suche Zeilen, bei denen die Position gleich geblieben oder besser geworden ist, die Klickrate aber deutlich gefallen ist. Das ist das Muster, um das es hier geht.
  4. Vergleiche zwei Zeiträume von je drei Monaten, nicht zwei einzelne Wochen. Wochenwerte schwanken zu stark, um daraus etwas abzuleiten.
  5. Sortiere die betroffenen Anfragen danach, ob sie zu Aufträgen führen. Eine Anfrage, die nie zu einer Anfrage im Formular geführt hat, ist auch dann kein Verlust, wenn die Klickrate einbricht.

Der letzte Punkt ist der wichtigste und wird am häufigsten übersprungen. Wir sehen regelmäßig Seiten, bei denen ein Viertel des Verkehrs weggebrochen ist und die Zahl der Anfragen unverändert blieb, weil der verlorene Teil aus Suchanfragen kam, die nie zu einem Auftrag geführt hätten. Umgekehrt gibt es Fälle mit fünf Prozent weniger Besuchern und spürbar weniger Anfragen, weil ausgerechnet die kaufnahen Suchanfragen betroffen waren. Erst diese Zuordnung sagt, ob überhaupt gehandelt werden muss.

Was jetzt hilft

  1. Zuerst messen, welche Anfragen betroffen sind. In der Search Console die Suchanfragen mit stark gefallener Klickrate bei stabiler Position heraussuchen. Das sind die Kandidaten. Alles andere ist Vermutung.
  2. Lokale Sichtbarkeit ernst nehmen. Vollständiges Unternehmensprofil, korrekte Öffnungszeiten, echte Fotos, Bewertungen beantworten. Das kostet wenig und wirkt in genau dem Bereich, der nicht wegbricht.
  3. Antworten zitierfähig schreiben. Frage als Zwischenüberschrift, Antwort im ersten Absatz darunter, in zwei bis drei Sätzen. Danach die Ausführung. Das hilft in Featured Snippets, in KI-Antworten und bei Lesern, die überfliegen.
  4. Auf das setzen, was eine Zusammenfassung nicht kann. Eigene Messwerte, Preise, Bilder echter Projekte, Erfahrungen aus konkreten Fällen. Ein Absatz, der aus zehn Quellen zusammengefasst wurde, kann nicht wiedergeben, was bei euch letzten Monat im Keller stand.
  5. Dünne Ratgeberseiten zusammenlegen. Vier kurze Seiten zum selben Thema waren schon vorher schlechter als eine gute. Jetzt sind sie zusätzlich die erste Gruppe, die Klicks verliert.
  6. Kanäle prüfen, die nicht über Google laufen. Newsletter, Bestandskunden, Empfehlungen. Klingt altmodisch, ist aber der einzige Verkehr, den niemand zusammenfassen kann.

Was wir nicht empfehlen

Mehr Ratgebertexte produzieren. Der Reflex, den Verlust durch Menge auszugleichen, führt genau in das Segment, das am stärksten betroffen ist.

Inhalte für KI-Systeme anders ausliefern als für Besucher. Das ist Cloaking, es verstößt gegen die Richtlinien, und es fliegt auf.

Werkzeuge kaufen, die KI-Sichtbarkeit messen. Die Ergebnisse schwanken bei wiederholter Abfrage derselben Frage erheblich. Als grobe Tendenz taugen sie, als Kennzahl für eine Entscheidung nicht.

Häufige Fragen

Ist SEO damit tot?

Nein, aber die Erfolgsmessung über reine Klickzahlen wird ungenauer. Sinnvoller ist die Frage, wie viele Anfragen und Aufträge aus der Suche kommen. Diese Zahl ist bei unseren Kunden deutlich stabiler als die Besucherzahl.

Sollten wir uns aus KI-Antworten heraushalten?

Technisch kann man das Auslesen einschränken. Praktisch verliert man damit Sichtbarkeit und gewinnt keine Klicks zurück, weil die Zusammenfassung dann eben andere zitiert.

Wie lange dauert es, bis Maßnahmen wirken?

Bei lokaler Sichtbarkeit oft wenige Wochen. Bei Inhalten Monate. Wer nach drei Wochen eine Wirkung messen will, misst Rauschen.

Was macht ihr konkret?

Wir schauen uns zuerst an, welche Suchanfragen wirklich betroffen sind, und arbeiten dann an lokaler Sichtbarkeit und an der Struktur der Inhalte. Wie wir dabei vorgehen, steht auf unserer Seite zur Suchmaschinenoptimierung. Die Grundlagen, die unabhängig von KI-Antworten gelten, stehen weiterhin in unserem Beitrag zu On-Page-SEO.

Quellen

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